Auf der Jagd nach dem südlichsten Plastikstuhl der Welt…

Plastikstuhl in Argentinien

Brrr… Bei dem Anblick dieses Plastikstuhls aus Ushuaia, Tierra del Fuego (Argentinien) – der südlichsten Stadt der Welt – wurde mir ganz kalt… Jens stellte auf dieses Foto gestern in seinem Monobloc-Blog functionalfate.org vor und damit die interessante These auf, dies könnte der südlichste weiße Plastikstuhl der Welt sein. Damit verbunden ist natürlich die Vermutung, dass es in der Antarktis keine davon gäbe.

Ausgeschlossen, wie ich meine… also machte mich auf die Suche. Allerdings ohne genau das zu finden, was ich hätte finden müssen, um den auch von Jens begehrten Gegenbeweis zu liefern. Auf hunderten von Fotos aus verschiedenen Räumen von Forschungsstationen, Schiffen und Containern des südlichsten Kontinentes der Erde fand ich unzählige sitzende Menschen. Überwiegend jedoch auf Klappstühlen (aus einem Plastik-Metall-Verbund oder scheinbar komplett aus Metall) oder aber gar in der McMurdo Station’s auf gepolsterten Holzstühlen sitzen. Wär hätte das gedacht?! Die Zahl von Menschen und Stühlen in der Antarktis habe ich bisher komplett unterschätzt!

Jedenfalls stieß ich gestern Nacht noch auf ein hübsche Bild aus der historischen Basisstation von Robert Falcon Scott auf Ross Island. Scott kam 1912 auf der Rückreise von der Jagd nach der ersten Begehung des Südpols in der Antarktis um und unterlag seinem Konkurrenten Amundsen bei diesem Wettlauf. Jedenfalls hinterließ Scott eine Holzhütte, in der heute eine Aluleiter und ein wunderhübscher, alter, brauner Plastikstuhl stehen, die jedoch definitiv nach Scotts Zeiten dort hingekommen sein müssen.

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Das Foto stammt übrigens von einer Antarktis-Website von Seth White.

Und ich bin mir sicher. Irgendwo dort auf dem eisigen Kontinent steht auch noch ein weißer Monobloc und wartet darauf im Internet seinen verdienten Ruhm abzubekommen.

Ein Wal aus Plastikstühlen…

Als einzige deutsche Station einer Ausstellungstournee präsentiert die Villa Stuck die Arbeiten von Brian Jungens, die zum ersten Mal in diesem Umfang in Europa zu sehen sind. Eröffnung ist heute um 19 Uhr.

Brian Jungens Skulpturen und Installationen kommentieren kulturelle und soziale Fragen augenscheinlich als Auseinandersetzung mit Massen- und Konsumgütern. Ausgehend von Gegenständen des globalen Alltags dekonstruiert Jungen Begriffe, die dem Verständnis zeitgenössischer Kultur zugrunde liegen. Dabei wirkt seine Kunst für den Betrachter oft deplatziert, kombiniert er doch scheinbar Unvereinbares miteinander. […]

International bekannt wurde er dann, als er mit “Cetology“ einen fast ausgestorbenen Lieblingsorganismus der Moderne, den Wal, zum weltweit reproduzierbaren Konsumobjekt skelettierte. Cetology ist ein lebensgroßes anatomisches Modell des Meeressäugers aus der global geläufigsten Sitzgelegenheit, dem weißen, stapelbaren Plastikstuhl.

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Bis zum 20. Mai werden Werke des kanadischen Künstlers Brian Jungen in der Münchener Villa Stuck zu sehen sein, der hier vor anderthalb Monaten schon mal kurz gefeatured wurde… Also, falls ihr bei Zeiten südlich der Elbe rumlauft, schaut dort mal vorbei. Ich glaube, dass könnte sich lohnen.

(Via: arspages.com)

Gewalt gegen Plastikstuhl (3)

Der Wahnsinn geht weiter… „Männertag und Plastikstühle“, heißt folgendes YouTube-Video. Keine gute Kombination. Ganz und gar grausam… – Abgesehen davon, was ‚die Umwelt‘ wohl davon hält, ich halte nicht viel von. Kein Alkohol für Männertagsmänner würde ich sagen, naja.

Aber das ist natürlich nicht das Ende der Fahnenstange:

und:

oder auch:

Kunst mit Plastikstühlen




Brian Jungen show

Originally uploaded by knitgirl.

Das stapeln von Plastikstühlen zu hohen Stapeln ist für wahr eine hohe Kunst. Ein dutzend weiße Stühle, ein Bezug für die Seite und eine Lampe mit ordentlich Power und fertig ist die „Brian Jungen Show“, des kanadischen Künstlers, die derzeit in Vancouver zu sehen ist. Danke an knitgirl für den Flickr-post.

Noch höher – und bunter – ist die Plastik (hier past die Übersetzung wie Arsch auf Eimer) von Maurice Sánchez und seinen KollegInnen aus der Dominikanischen Republik, der Jens von functionalfate.org ein paar Bilder für dessen Monobloc-Blog zur Verfügung gestellt hat, wie etwa dieses:

Jens Thiel zitiert Sánchez wie folgt:

our work tries to capture the dominican republic, the dominicans and what they do. plastic chairs are very popular in the dominican republic, they’re everywhere, they have taken over the traditional dominican wood chair. they’re usually found stacked in smaller groups on colmados (a dominican bodega or shop and now the center of social life in the country).
we just stacked a big pile and played with the colors to create an almost candy like image and another shape is created. we called the piece “la plastica dominicana” wich translates to english as “dominican fine art”. plastic in spanish also means fine, as in fine arts.

Jens ist absolut recht zu geben, wenn er schreibt, dass dies wohl eines der schönsten aus Monoblocstühlen erstellten Kunstwerke ist.

Viva la plastica!

Plastikstuhl als Elch-Falle

Elch mit Plastikstuhl um den Hals

Ein bisschen erinnert dieses Foto an die Simsons-Episode, in der Mr. Burns aus Plastikmüll von Six-Packs Fischfallen bastelt, um Nachschub für seine Fischfabrik an Land zu bringen. Gänzlich ohne menschliches Zutun ist diese arme Elch-Kuh nahe Denver unter die Armlehne eines weißen Plastikstuhls geraten. Nach Bericht des Denver Channels konnte sich die Elchin jedoch auch selbstständig wieder aus dem Möbelstück befreien.

Via: Nothing To Do With Arbroath

Gebete auf Plastikstühlen / Plastic Chairs Around the Globe

Plastikstühle sind ein globales Phänomen. In dem kürzlich hier geposteten Beitrag zum kuechenradio.org-Interview ist dies deutlich geworden. Sehr anschaulich wird dies auch bei einer Fotosuche nach mit „plastic chair“/“plastic“+“chair“ betitelten, mit geotags versehenen Bildern bei flickr (siehe Bild). Auffällig ist natürlich, dass die Auswahl durch die materiellen Ressourcen von Fotograf/innen und deren Reiseziele eingeschränkt ist. Wer kann sich Digitalkamera+Internetzugang+Zeit-für-so’n-Scheiß leisten? Wer kann sich die Reise zu Plastikstühlen leisten? Wer entscheidet sich für welches Fotomotiv?

Um so länger ich auf die Karte schaue, desto leerer wird sie. Nun ja.

Jedenfalls bin ich eben auf ein Foto von „unclewilco“ aus Wales gestoßen, der Fotos von sheds (also Hütten oder Lauben) macht und sammelt. Das Foto (siehe unten) zeigt eine hüttengroße Kapelle in Ibiza – frisch renoviert für 38.000 € –, auf denen Besucher/innen zum Beten auf einem hübschen weißen Plastikstuhl Platz nehmen können. Die Stammlesenden und RSS-Abonent/innen dieser Seite erinnern sich vielleicht an das Sukkah-Bild vom jüdischen Laubhüttenfest. Ein weiterer Hinweis, dass Religion und damit verbundene Bräuche und Plastikstühle nicht unvereinbar sind. Der Plastikstuhl ist halt globales Gemeingut und passt sich wie ein Chameleon seiner Umgebung an. Ohne dabei unsichtbar zu werden. Wir finden ihn überall.

Küchenradio.org » KR_069 – Plastikstuehle

„Ein Satz wie aus einem Manifest: Der – primär weiße – Plastikstuhl ist das erfolgreichste Meuble unserer Epoche. Der Monobloc – ja, genau, der, aus einem Stück gegossene, weiße Plastikstuhl, den alle kennen – ist weit mehr als ein Sitzmeuble, das abwaschbar, billig und stapelbar ist. Es ist nicht nur das beste Meuble, das die Menschheit bisher hervorgebracht hat, wie unser Gast Jens Thiel findet, sondern der Weg zum Weltfrieden und die Antwort auf alle drängenden Fragen der Menschheitsgeschichte, selbst auf die, die noch nie jemand gestellt hat. Jens Thiel erforscht den Monobloc. Und erzählt uns davon. Auf Holzstühlen.“
(Küchenradio.org » Blog Archive » KR_069 – Plastikstuehle)

Als ich mich vor ’nem guten Jahr bei flickr anmeldete und auf die Gruppe Those White Plastic Chairs stieß, wahr ich heil froh: fast 100 Mitglieder! Ich bin nicht der einzige Mensch, der sich für Plastikstühle interessiert. Von flickr war es nicht weit zum Kontakt zu functionalfate.org – das Monobloc-Blog von Jens Thiel aus Erfurt, der sich seit einer halber Ewigkeit mit Plastikstühlen beschäftigt.
Der Macher von functionalfate.org, der mich in einem freundlichen Beitrag gar zur Rosa Parks der Plastikstuhlpopulation adelte, ist nun in einem durchaus höhrenswerten Interview von kuechenradio.org zu hören und erzählt dort allerhand interessantes zum Plastikstuhl:

kuechenradio.org Podcast-Interview mit Jens Thiel

Gilmore Girls moving forward to take a seat on one of those white plastic chairs

Die Arbeit staut sich, auf dem Schreibtisch liegen Berge von Papier, das sortiert werden will, die To Do List wird länger und länger. Was liegt also näher, als sich möglichst viele Folgen einer kurzweiligen TV-Serie anzugucken.
Bisher eine ganze Menge, zumal keine Serie wirklich ansprechend zu sein schien… Doch da sind die Gilmore Girls aufgetaucht. Zum Teil spielt die Serie leider mit abgekauten Klischees… aber es gibt wohl keine Serie im Falschen… Naja.
Immerhin laufen die Serienheldinnen Lorelai und Rory ab und zu mal an einem Plastikstuhl vorbei, wie z.B. hier in der 15. Episode der 4. Staffel.